Institutionelle Stärkung der Fotografie auf Bundesebene
Der Deutsche Fotorat begrüßt die nächsten Schritte zur Etablierung eines Deutschen Fotoinstituts und die Empfehlungen der Gründungskommission
Am 21. Juli 2025 wurde in Düsseldorf der Abschlussbericht der beratenden Gründungskommission zum Selbstverständnis und den Aufgaben des Deutschen Fotoinstituts vorgestellt. Seit Jahrzehnten gibt es in Deutschland Bestrebungen, ein nationales Institut für das fotokulturelle Erbe zu etablieren. Mit der Initiative der damaligen Kulturstaatsministerin Monika Grütters im Jahr 2019 ist ein bundesdeutsches Fotoinstitut in greifbare Nähe gerückt, wurde aber schnell überschattet durch einen Standortstreit. Mit dem Abschlussbericht rücken nun konzeptionelle und inhaltliche Ziele in den Fokus. Ein Blick in Nachbarländer wie Frankreich, die Niederlande oder die Schweiz macht deutlich, wie auf nationaler Ebene nachhaltig agiert werden kann.
Der Deutsche Fotorat hat die Entwicklungen stets aktiv verfolgt und sich für eine Stärkung eines bundesweiten Netzwerkes ausgesprochen. Denn es gibt in Deutschland bereits zahlreiche Institutionen und Initiativen für die Fotografie, doch fehlt es bisher – anders als in vielen Nachbarländern – an einer zentralen Institution, die sich systematisch mit der Bewahrung, Erforschung und Vermittlung fotografischer Kultur befasst und national wie international für Vernetzung und Wissenstransfer sorgen kann.
Im Frühjahr 2024 konnten sich Expert:innen des Deutschen Fotorats mit den Mitgliedern der Gründungskommission über Aufgaben eines zukünftigen Fotoinstituts austauschen. Weitere Gespräche fanden u. a. mit Expert:innen der Deutschen Gesellschaft für Photographie und der AG Bildarchive und Fotosammlungen statt. Die seinerzeit gemeinsam formulierten Vorstellungen und Wünsche finden sich zu großen Teilen im Abschlussbericht wieder. Hervorzuheben ist der Plan für die Einrichtung eines Nationalen Förderfonds Fotografie – auch der Deutsche Fotorat fordert seit Jahren die Bereitstellung einer jährlichen Fördersumme durch die Politik für Institutionen, die bedeutende fotografische Vor- und Nachlässe übernehmen.
Der Deutsche Fotorat unterstützt mit Nachdruck die Empfehlung der Gründungskommission, nun mit von der Politik zügig bereitgestellten Mitteln „frühzeitig erste Pilotprojekte zu initiieren – etwa die Sicherung bedeutender, akut gefährdeter Konvolute –, um die Aufbauphase auch operativ sichtbar zu machen“. (Zitat aus Abschlussbericht, Seite 28). Um Fotografinnen und Fotografen bzw. Erben bei der Vorbereitung eines Übergabe-Gesprächs oder bei der Vorbereitung zur Aufarbeitung und Erfassung ihres Fotobestandes unterstützen, hat der Deutsche Fotorat Ende 2024 einen Fragenkatalog erstellt, der zum Download angeboten wird.
Nun gilt es, die Empfehlungen der Gründungskommission umzusetzen und eine dauerhafte Finanzierung sicherzustellen. Der Deutsche Fotorat unterstützt das von der Gründungskommission geäußerte Ziel, die Fotografie in ihrer gesamten Breite zu berücksichtigen. Im Netzwerk mit bestehenden Institutionen könnte es nun endlich gelingen, die Fotografie als entscheidendes Bildmedium der Gegenwart im Bund institutionell zu stärken.
Text: AG Fotoerbe im Deutschen Fotorat