KI-Podcast Folge 15
Themen dieser Folge: Die Gründe von OpenAI, Sora 2 einzustellen. Google dominiert Bildmodelle, ByteDance/Seedance 2.0 setzt neue Maßstäbe bei Video. KI-Restaurierung, Kriegspropaganda und KI-Influencer destabilisieren Erinnerung, Wahrheit und politische Kommunikation. Wie lassen sich KI-Training, Nutzung und Vergütung fair regulieren? Fotograf:innen geraten ökonomisch unter Druck, besonders bei Brot-und-Butterjobs und hybrider Postproduktion. Gäste sind: Dr. Anke Schierholz, Leiterin der Rechtsabteilung der VG Bildkunst und Christoph Künne, Kulturwissenschaftler und Mitbegründer des DOCMA Magazins.
Im KI-Podcast unterhalten sich Dr. Jürgen Scriba, Leiter der Arbeitsgruppe "Technischer Fortschritt" / Deutscher Fotorat und Boris Eldagsen (Mitglied der Arbeitsgruppe) mit wechselnden Gästen über aktuelle Auswirkungen von KI auf Fotografie.
HIGHLIGHTS:
00:08 - Sora 2 wird eingestellt OpenAI beendet Sora 2 offiziell wegen Rechenkapazitäten und neuer Prioritäten wie Weltsimulation und Robotik. Im Gespräch wirkt es auch wie eine Notbremse: hohe Kosten, sinkende Nutzung, fehlendes Wachstum.
02:57 - OpenAI verliert den Vorsprung Sora 2 sollte offenbar vom Profi-Tool zum Mainstream-Produkt werden, fast ein zweites TikTok. Diese Strategie scheint gescheitert, während OpenAI bei Bild, Video und Coding nicht mehr eindeutig vorne liegt.
04:21 - Bildmodelle: Google vorn, Midjourney schwächelt Das noch unveröffentlichte neue ChatGPT-Bildmodell überzeugt in Boris’ Tests kaum; Google/Nano Banana bleibt vorn. Midjourney 8 wirkt trotz neuer Architektur wie ein Dinosaurier: weniger eigener Look, mehr Realismus, kein echter Sprung.
09:23 - Google gegen ByteDance im Video-Wettbewerb Google setzt auf billigere Light-/Fast-Versionen, Seedance 2.0 von ByteDance auf Qualität. Nach Hollywood-Druck reagiert ByteDance mit Kennzeichnung, Watermarking und Filtern für geschützte Figuren oder echte Gesichter.
15:10 - KI-Restaurierung und Erinnerung KI-Restaurierung alter Fotos kann emotional stärkere Bilder erzeugen, verändert aber oft Gesichter und Charaktere. Die Gefahr: Menschen gleichen ihre Erinnerung dem KI-optimierten Dokument an.
18:13 - Authentizität oder Wirkung? Boris fragt, ob dokumentarische Authentizität nötig ist, wenn ein verfälschtes Bild emotional stärker wirkt. Der Gegenpunkt: Wenn Maschinen unsere Vergangenheit verschönern, erzeugen sie womöglich falsche innere Biografien.
20:33 - KI-Propaganda und synthetische Influencer KI-generierte Bilder destabilisieren Kriegskommunikation, Quellenvertrauen und historische Rekonstruktion. Figuren wie „Jessica Foster“ zeigen, wie KI-Influencer politische, militärische und erotische Fantasien bedienen. Zu Gast: Dr Anke Schierholz und Christoph Künne
23:34 - Fotografie, Einkommen und KI-Schock Der zweite Teil fragt, was mit fotografischen Einnahmen passiert, wenn Bilder für Centbeträge generiert werden. Christoph Künne und Anke Schierholz diskutieren Rechte, Vergütung und Geschäftsmodelle.
25:49 - Von Photoshop zu KI-Workflows Bildbearbeitung verschiebt sich von klassischer Retusche zu generativen Workflows. Viele Spezialtechniken werden schneller, billiger oder obsolet; Kund:innen erwarten zunehmend hybride Arbeit aus Foto und KI.
28:07 - Fotobranche unter Druck Viele Fotograf:innen berichten von Auftragsverlusten und Studioschließungen, doch belastbare Daten fehlen. Besonders gefährdet sind Brot-und-Butterjobs, die oft anspruchsvollere Arbeit mitfinanzieren.
32:30 - KI-Nutzung als Stigma Viele Fotograf:innen nutzen KI längst für Retusche oder Postproduktion, sprechen aber ungern darüber. Wer sich offen dazu bekennt, riskiert, nicht mehr als Fotograf:in wahrgenommen zu werden.
36:08 - Der gordische Knoten der Vergütung KI-Systeme nutzen geistiges Eigentum vergangener Jahre und bedrohen nun diejenigen, die davon leben wollten. Modelle verbieten wäre brutal; ein globales Vergütungssystem wirkt unrealistisch.
37:48 - Umsatzbeteiligung und Nachweisproblem Anke hält Umsatzbeteiligung für denkbar, dafür müsste Training aber klar lizenzpflichtig werden. Das Hauptproblem bleibt: Urheber:innen können meist kaum beweisen, dass ihre Werke genutzt wurden.
45:01 - KI-Bilder und Schutzfähigkeit Boris fragt, ob komplex erzeugte KI-Bilder wie „The Electrician“ meldbar sein können. Ein einfacher Prompt reicht nicht, aber nachvollziehbarer menschlicher Einfluss kann vergütungsfähig sein.
49:18 - KI als Kulturbruch KI wird mit früheren Medienumbrüchen wie Fotografie und Digitalisierung verglichen. Neu ist die Breite: KI verändert nicht nur Bilder, sondern Arbeit, Denken und Zusammenleben.
53:50 - Das Mehl darf nicht gratis sein Das TDM-Fundament muss neu gefasst werden, damit kreative Arbeit nicht weiter kostenloser Rohstoff bleibt. Auch der Bäcker bekommt sein Mehl nicht umsonst.