KI-Podcast Folge 19

Seit August gelten neue Vorgaben des EU AI Acts – aber was bedeuten sie konkret für den Umgang mit KI-generierten Bildern und Videos? Wir sprechen über Kennzeichnungspflichten, offene Fragen der praktischen Umsetzung und darüber, wie KI bereits heute in professionellen kreativen Workflows eingesetzt wird. Außerdem schauen wir auf die ökonomische Erzählung hinter dem KI-Boom: Automatisierung, „Task Crossover“ und die paradoxe Frage, ob selbst die Kritik an KI dazu beiträgt, den Hype weiter anzufachen. Zu Gast ist Dr. Hans D. „Doc“ Baumann: Kunstwissenschaftler, Autor und einer der Pioniere der digitalen Bildbearbeitung in Deutschland. Er ist Mitbegründer und Herausgeber des Magazins DOCMA und Autor von mehr als 30 Büchern. Mit Baumann diskutieren wir, wo Fotografie endet und das KI-Bild beginnt, welche Rolle Intentionalität und Wahrnehmung spielen, was im Latent Space eigentlich passiert – und schließlich die große Frage: Was macht ein Bild heute überhaupt noch zu Kunst? Im KI-Podcast unterhalten sich Dr. Jürgen Scriba, Leiter der Arbeitsgruppe "Technischer Fortschritt" / Deutscher Fotorat und Boris Eldagsen (Mitglied der Arbeitsgruppe) mit wechselnden Gästen über aktuelle Auswirkungen von KI auf Fotografie.

HIGHLIGHTS:

00:00 - EU AI Act: Neue Guidelines zur Kennzeichnungspflicht. Entscheidend ist nicht jeder KI-Einsatz, sondern ob ein Bild fälschlich als reale Person, Situation, Ort oder Ereignis verstanden werden könnte.

05:05 - Sichtbare Kennzeichnung durch Anwender gilt bereits, technische Kennzeichnungen durch Anbieter wurden zeitlich nach hinten verschoben. In Social Media sind KI-Labels bisher kaum sichtbar.

11:55 - Offene Fragen zu Kontrolle und Sanktionen: Bundesnetzagentur, mögliche Meldeportale, Abmahnungen und ungeklärte Verantwortlichkeiten.

13:38 - Google Earth + Nano Banana: Satellitenbilder konnten direkt generativ verändert werden. Nach manipulierten Bildern aus Kriegsgebieten wurde das Feature zurückgezogen.

18:32 - Neuer Fake-Detektor soll nicht nur KI-Bilder erkennen, sondern auch das wahrscheinlich verwendete Modell identifizieren.

19:57 - Bildgeneratoren im Vergleich: Meta Muse Image überrascht qualitativ und ist kostenlos, aber vergleichsweise restriktiv. Nano Banana Pro und ChatGPT Image 2 bleiben ganz vorne.

22:20 - Flux 3 von Black Forest Labs angekündigt: multimodal für Bild, Video und Audio, aber noch nicht verfügbar. (Update: Flux 3 Video jetzt erhältlich).

24:19 - Seedance 2.5 bietet längere Videos und viele Referenzen, zeigt im Test aber Probleme mit Körpern und Interaktionen.

27:21 - Kostenfalle: Professionelle Iteration mit vielen Varianten macht neue Videomodelle schnell unerschwinglich.

30:35 - Boris beschreibt seinen aktuellen Filmworkflow

33:26 - Minimax H3: Audio, Referenzen und offene Modellbestandteile. Schwächer als Seedance, aber als Open Model strategisch interessant.

36:01 - „Task Crossover“: Menschen nutzen ChatGPT zunehmend für Tätigkeiten außerhalb des eigenen Berufs, etwa Designer für Engineering und Marketing.

40:08 - Cory Doctorovs These: Der eigentliche KI-Business-Case ist nicht die Ersetzung von Kreativen, sondern das Versprechen, große Teile der gesamten Arbeitswelt automatisieren zu können.

47:03 - Auch Kritik kann den KI-Hype verstärken, weil sie das Narrativ einer nahezu allmächtigen Technologie bestätigt. Zu Gast: Doc Baumann

48:38 - Doc Baumann: Von früher digitaler Bildbearbeitung und Photoshop bis zur KI. KI-Bilder haben physikalisch nichts mehr mit Fotografie zu tun.

54:29 - Fotografie vs. KI-Bild: Zentral ist das kausale Verhältnis zwischen Bild und realer Szene. Begriffe wie „KI-Foto“ erzeugen ein irreführendes Kontinuum.

59:17 - Historische Parallele zum Prompting: Reporter beschrieben im 19. Jahrhundert Szenen, Holzstecher ergänzten Details aus ihrem eigenen „Trainingswissen“.

1:04:28 - Anti-KI-Bias: Sobald Betrachter erfahren, dass ein Bild KI-generiert ist, sinkt seine Wertschätzung oft deutlich.

1:07:10 - Was macht starke Kunst aus? Wie wirken Konzept, Emotion, Bewusstes und Unbewusstes zusammen?

1:09:09 - Streitpunkt Intentionalität: Boris sieht Kunst als Ausdruck der Conditio Humana. Baumann argumentiert, dass auch KI-Bilder ohne klare Intention starke ästhetische Wirkung erzeugen können.

1:20:04 - KI, Erinnerung und Latent Space: Parallelen zwischen dem schwer erklärbaren Latent Space von KI und den assoziativen Prozessen des menschlichen Gehirns.

1:24:15 - Boris: Der menschliche Geist ist selbst eine Art Latent Space. Parallelen zwischen KI und Gehirn sind strukturell angelegt.

1:25:49 - Schluss über Kitsch und Kunsttheorie: Nicht jedes KI-Bild sollte automatisch nach den Maßstäben eines Kunstwerks beurteilt werden.

Zurück zur Übersicht