KI-Podcast Spezial EU-Regulierung

Die Spezialfolge zum EU-AI-Act, dem neuen "Code of Practice" und den neuen EU-Guidelines. Zu Gast sind Alexandra Lechner (BFF, DGPh, Female Fotoclub) und Marco Urban (freelens) aus der Fotorat-Arbeitsgruppe "Technischer Fortschritt" und BFF-Justiziarin Dorothe Lanc. Diskutiert wird, was künftig als Deepfake gilt und wie KI-generierte oder KI-veränderte Inhalte gekennzeichnet werden müssen. Die Runde klärt besonders, was das für Fotografierende, Bildbearbeitung, Werbung und Journalismus bedeutet.

HIGHLIGHTS:
00:00 - Ausgangspunkt ist die Frage, wann ein Bild als „Deepfake“ gilt.
03:25 - Diskutiert wird, wer als „Deployer“ gilt. Die Runde geht davon aus: Wer als Fotograf*in eigenverantwortlich ein KI-Tool nutzt, etwa Generative Fill in Photoshop, wird zum Anwender eines KI-Systems.
06:13 - Der Deepfake-Begriff ist extrem weit gefasst: Wenn etwas wie Realität aussieht, aber durch KI erzeugt oder verändert wurde, kann es darunterfallen.
08:29 - Dorothe differenziert: Nicht jede KI-Nutzung ist automatisch kennzeichnungspflichtig, sondern erst, wenn eine Täuschung über Realität möglich ist. Genau hier wird es schwierig: Ist schon ein entfernter Pickel Täuschung?
11:04 - Journalistische Fotografie wird klar von Werbung und kommerzieller Bildproduktion getrennt. Im Journalismus gilt: keine Pixel hinzufügen, entfernen oder verschieben. In Werbung wurde dagegen schon immer idealisiert, inszeniert und geschönt — nur KI macht diese alte Unechtheit jetzt juristisch sichtbar.
15:22 - Boris fragt, ob ein fotorealistisches KI-Bild des Pfälzerwaldes schon ein Deepfake ist. Die Antwort hängt eigentlich vom Kontext ab: Wird es als Symbolbild genutzt oder als echte Aufnahme ausgegeben?
20:42 - Die Runde warnt vor „Label Fatigue“: Wenn am Ende alles gelabelt ist, nimmt niemand das Label noch ernst — Serviervorschlag lässt grüßen.
23:19 - Alexandra beschreibt die Praxis: Kundinnen verlangen oft stark optimierte Presse- und Unternehmensbilder. Wenn solche Wünsche mit KI umgesetzt werden, müssen Fotografinnen künftig erklären, dass diese Bilder gekennzeichnet werden müssen.
24:50 - Die Kennzeichnungspflicht ist verpflichtend, bei Verstößen drohen Bußgelder. Dorothe kritisiert aber, dass Labels wie „KI-modifiziert“ zu grob sind; sinnvoller wäre zu erklären, was genau KI-generiert wurde.
28:20 - Gefordert werden robuste Provenienzdaten und Standards wie C2PA. Statt nur Logos ins Bild zu kleben, bräuchte es nachvollziehbare Bearbeitungshistorien: Wer hat was, wann, womit verändert? Daraus könnten „Trust Zones“ entstehen, in denen ein Foto wieder als Foto erkennbar bleibt.
29:23 - Der Begriff „Deepfake“ wird als unglücklich kritisiert. Eigentlich sollte er für harte Täuschungen reserviert bleiben: Gesichtstausch, erfundene Aussagen, Personen an Orten, an denen sie nie waren. Für kleinere KI-Eingriffe wäre ein präziserer Begriff besser.
31:02 - Boris erinnert daran, dass Werbung schon immer Fake war. Die neue Frage ist nicht, ob Werbung echt ist, sondern wo das Publikum noch Authentizität erwartet — etwa bei Vorständen, Immobilien, Hotels oder Reisefotografie.
33:51 - Authentizität wird paradoxerweise selbst zur Marketingstrategie: Aber selbst ein verwackeltes Making-of kann heute generiert werden. Die Runde warnt: Wenn Regulierung nur an technischen Werkzeugen hängt, läuft sie der Entwicklung immer hinterher.
38:33 - KI-Anbieter sollen technische Kennzeichnungen, Wasserzeichen und Prüftools bereitstellen. Diskutiert wird, ob Labels wie „AI generated“ oder „AI manipulated“ sichtbar am Bild erscheinen müssen — und zwar schon beim ersten Kontakt mit dem Publikum.
41:58 - Praktisch bleibt vieles ungeklärt: Fotografinnen liefern ein Bild, Kundinnen schneiden es später zu, Metadaten gehen verloren, Social-Media-Formate ändern alles. Deshalb wäre eine geschützte Pipeline für Provenienzdaten wichtiger als ein starres Logo im Bild.
46:03 - Dorothe empfiehlt: KI-Nutzung dokumentieren. Also Tool, Prompts, Bearbeitungsschritte und ausgelieferte Kennzeichnung festhalten. Nicht sexy, aber wichtig, falls später jemand fragt: „War da KI drin?“
52:25 - Kontrolle und Sanktionen sind offen. Behörden müssen sich erst organisieren, aber Wettbewerber könnten nicht gekennzeichnete KI-Kampagnen abmahnen lassen. Fazit: Die Praxis bleibt unklar, Gerichte werden viel auslegen müssen — gute Zeiten für Jurist*innen, schlechte für einfache Antworten.

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